Portable Shortwave Receivers made in Russia

Salut 001: Testbericht © kurier 15 / 1990

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überarbeitet am 22.7.2010

Rundfunkempfänger Salut 001

Doppelsuper,

Analoganzeige,

AM, FM (UKW)

Selektivität -6 dB/ -50 dB

Sensitivität

4 Speicher UKW / 4 Speicher AM, Sleep Timer

Salut 001 ist ein Reiseempfänger sowjetischer Produktion, der bereits 1977 auf der Leipziger Messe vorgestellt wurde. Er wurde seinerzeit in Zusammenarbeit mit der DDR entwickelt und stellte zum damaligen Zeitpunkt ein komfortables Gerät dar, das dem Stand der Technik entsprach.

Der Salut 001 ist von seiner Konzeption her ein Weltempfänger. Er verfügt über 12 Empfangsbereiche, die sich in den UKW-Bereich, einen geteilten Mittelwellen-, Langwellen- und acht Kurzwellenbereiche aufgliedern. In den Kurzwellenbereichen 2 bis 8 (49- bis 13 m Band) arbeitet er als Doppelsuper. Der Empfänger besitzt Anschlußmöglichkeiten für Außenantenne für UKW-, LW-, MW- und KW-Empfang, Tonbandgerät für Aufnahme und Wiedergabe oder Schallplattenabspielgerät, Außenlautsprecher und Kopfhörer. Die Konzeption enthält folgende Merkmale:

  • stufenweise Bandbreitenregelung in den Wellenbereichen LW, MW & KW
  • Sendervorwahl (Senderspeicher) - feste Abstimmung auf vier Sender in den MW- und LW- Bereichen
  • abschaltbare automatische Scharfabstimmung (AFC) auf allen Bereichen
  • stufenlose Höhen- und Tiefeneinstellung
  • Senderabstimmanzeige
  • zwei Teleskopantennen für UKW, KW
  • zwei Ferritantennen für MW und LW
  • automatische Umschaltung vom Senderspeicher auf Skalenantrieb bei Berührung des Abstimmknopfes
  • automatisches Einschalten der Skalenbeleuchtung bei Berühren des Abstimmknopfes
  • abschaltbare Mutingschaltung im UKW-Bereich
  • automatisches Ausschalten des Empfängers (Sleep- Automatik

Ausstattung
Auffallend an dem Gerät sind acht Festsenderspeicher (vier für AM und vier für FM), die über Sensortasten abgerufen werden können, wobei der abgerufene Speicher mit LEDs angezeigt wird. Jeder Senderspeicher ist mit einer Skala versehen, die als Orientierung bei der Einstellung eine wertvolle Hilfe darstellt. Der Abstimmknopf ist ebenfalls mit einem Sensorkontakt versehen, bei dessen Berührung sich das Gerät auf Handabstimmung umschaltet und die Skalenbeleuchtung aufleuchtet. Diese technische Lösung scheint interessant, da sie die Skalenbeleuchtung nur für den eigentlichen Abstimmvorgang aktiviert und so Strom spart und die unzugänglichen Skalenlampen schont. Bei Netzbetrieb wäre es jedoch wünschenswert, die durch ihre Farbgestaltung schwer ablesbare Skala ständig zu beleuchten. Überdies ist eine Zuordnung der Wellenbereiche zu den entsprechenden Skalenabschnitten schwer zu erkennen.

Das Gerät verfügt über eine AFC- und eine Mutingtaste, die besser AFC-Aus und Muting-Aus heißen müßten, da sie die Funktion negieren. Die schaltbare AFC funktioniert bei FM und AM, sie verfügt über einen großen Haltebereich und einen ausreichenden Fangbereich. Die Mutingtaste schaltet das Gerät beim Abstimmen nicht stumm, sondern senkt lediglich den NF-Pegel um etwa 12 dB ab, so daß bei vorheriger Zimmerlautstärke das Zwischensenderrauschen zwar nicht übermässig stört, aber doch deutlich zu hören ist. Es ist zu vermuten, dass dieser Effekt beabsichtigt ist, um bei der im UKW-Bereich recht ungenauen Skala das Auffinden eines bestimmten Senders zu erleichtern.
Für die AM-Bereich existiert eine ZF-Bandbreitenumschaltung, die sich als sehr hilfreich erweist, es wäre jedoch günstiger, wenn sich die Bandbreite stufenlos einstellen ließe.
Zur Ausstattung des Gerätes gehört ein Sleeptimer, der es ermöglicht, das Gerät nach einer vorwählbaren Zeit zwischen zehn und vierzig Minuten abzuschalten.
Der Salut kann wahlweise aus dem Netz, sechs R20-Zellen oder aus einer externen Gleichspannung von 12 Volt betrieben werden. Anstelle der beiden Tasten wäre es bei dieser Betriebsspannung allerdings günstiger gewesen, eine automatische Netz-Batterie-Umschaltung mit Hilfe von Dioden vorzunehmen. Eine weitere Besonderheit ist das Indikatorinstrument, das durch seine Aussage über die anliegende Feldstärke sowohl in den AM-Bereichen als auch bei FM eine wertvolle Einstellhilfe darstellt. Es wird gleichzeitig als (schaltbare) Batteriekontrolle verwendet.
Für den UKW-Bereich ist eine dreh- und schwenkbare Teleskopantenne vorhanden. In den AM-Bereichen kommen Ferritantennen bzw. für Kurzwelle eine starre 1,20 Meter lange Teleskopantenne (siehe Bild 1) zum Einsatz. Auf der Geräterückseite befindet sich eine Skalenscheibe, die Ortszeiten in verschiedenen Städten der Welt angibt.

Empfangsverhalten
Zwei Empfänger wurden über einen Zeitraum von vier Wochen betrieben. Eines der Geräte war vom Hersteller falsch abgeglichen, die Skalen stimmten nicht, was einen neuen Abgleich erforderlich machte. Zum Abschluss der Untersuchungen wurden die Hauptparameter gemessen (siehe Tafel).
Im UKW-Bereich konnten in Berlin alle verfügbaren Sender in ausreichender Qualität empfangen werden, wobei die Teleskopantenne ausserhalb von Berlin auf ihre volle Länge ausgefahren und gerichtet werden musste. In Dresden wurden mit eingeschobener Teleskopantenne die fünf Ortssender, mit ausgezogenem Stab auch Cottbus und Karl-Marx-Stadt empfangen. Dabei traten Kreuzmodulationen auf, eine Folge des Bipolartransistors im nur dreifach abgestimmten Tuner und der selbstschwingenden Mischstufe. Beim UKW-Empfang fiel auf, daß die Klangsteller (Höhen und Tiefen getrennt) eine für den NF-Verstärker (A 210) nicht mehr zu verkraftende Anhebung verursachen, so daß der Klirrfaktor bei aufgedrehten Höhen und Tiefen bereits bei geringen Lautstarken stark ansteigt. Zudem sind die Schiebesteller für Lautstarke und Klang sehr schwergängig und lassen eine reproduzierbare Einstellung kaum zu.
Der AM-Empfangsteil kann vom Prinzip her als gut eingeschätzt werden, obwohl er für ein derartig aufwendiges Gerät hinter den Erwartungen in Bezug auf Empfindlichkeit, Störfestigkeit und Frequenzkonstanz zurückbleibt. Die AM-Sensortasten sind für Lang- und Mittelwelle nutzbar, bei Kurzwelle ist die Trennschärfe zu gering. An dem in Dresden erprobten Gerät fiel die generell zu geringe Großsignalfestigkeit auf. Dieser Effekt wurde uns auch von einigen Lesern bestätigt. Die Skalengenauigkeit in den AM-Bereichen war bei dem in Berlin betriebenen Gerät wesentlich besser als im UKW-Bereich. Es gewährleistete ein relativ sicheres Auffinden von Kurzwellensendern bekannter Frequenz, was durch das stark gespreizte KW-Band begünstigt wird. Ein weiterer Nachteil ist, daß bei allen Betriebszuständen das mechanische Schwingen des zur Abstimmspannungsgewinnung genutzten Transverters zu hören ist, wobei sich die Störungen nicht auf den Fremdspannungsabstand auswirken (rein mechanisch).

Aufbau
Die Elektronik ist auf 13, in unterschiedlichen Ebenen stehende, teils gekapselte und schwer zugängliche Leiterplatten verteilt. Zwischen Schwingkreiskapazität und -induktivität auf KW 2 (49 m Band) liegen sechs in Reihe geschaltete Kontakte statt nur einem. Wegen der Vor-, Zwischen- und Ozillatorkreise und deren Ankoppelwicklungen müssen so bei 6 MHz 42 Kontakte im Schwingkreisbereich (linker Tastensatz) und sechs weitere im rechten Tastenschalter geschlossen sein und sicheren Kontakt geben, auch bei mehrjähriger Nutzung. Die kapazitive Verkopplung der alle Schalter durchlaufenden Leiterzüge von Eingang und Oszillator dürfte auch die Ursache für die Antennenabhängigkeit bei Kurzwelle sein.
Vor dem Auswechseln der Netzsicherung ist ein die Sicherungsklappe arretierender Stahldrahtring, den man schwer findet, zu entfernen. Neben diesem Hinweis fehlt in der Bedienungsanleitung ein Hinweis zum Anschluss des mitgelieferten dreipoligen UKW-Antennenflachsteckers: An die beiden äußeren Stifte ist der Außenleiter des 75-Ohm- Koaxialkabels anzuschliessen.

Gesamturteil
Das Grundkonzept des Gerätes ist gut, wenn auch nicht mehr modern. Es stellt trotz der genannten Mängel eine Bereicherung unseres Marktes dar. Mit dem Salut 001 liegt ein Gerät vor, das als Weltempfänger für mittlere Ansprüche sicher seine Freunde finden wird, obwohl er über zehn Jahre zu spät kommt. Trotzdem macht es Spass, mit ihm die Kurzwellenbereiche nach fernen Sendern abzugrasen.
Interessant wäre, vom Importeur zu erfahren, wer dieses aufwendige, mit deutlichen Mängeln behaftete Gerät vor dem Import geprüft hat. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird die Qualität eines derartigen Weltempfängers nicht durch die Zahl der verwendeten Leuchtdioden oder durch verchromte Sensorkontakte bestimmt, sondern zum Beispiel durch ein digitales Abstimm- und Anzeigesystem mit elektronischen Sendespeichern, digitale Frequenzeingabe, hohe Empfindlichkeit, hohe Großsignalfestigkeit und Frequenzkonstanz aller Stufen.

Empfangserfahrungen
Auf den LW- und MW-Bereichen verschlechtert eine Außen- oder Teleskopantenne die Qualität durch Störgeräusche. Auf KW 1 bis KW 8 ist der Empfang mit Teleskopantenne besser. Auf KW 2 bis KW 8 wird der Oszillator durch die Zusatzantenne verstimmt, es macht sich eine deutliche Berührungsempfindlichkeit bemerkbar.
Bei LW und MW wird die Teleskopantenne eingeschoben. Wird sie beim Empfang von KW 2 bis KW 8 wieder ausgezogen, dann ist der zuvor eingestellte Sender weg und muß mehrere Millimeter weiter auf der Skala wieder gesucht werden.

Bei AM-Betrieb sollte das Gerät nicht geerdet werden, und es sollte keine externe, geerdete UKW-Antenne angeschlossen sein. Beides erhöht auf dem AM-Bereichen infolge der ungenügenden Großsignalfestigkeit den Störgeräuschpegel stärker als das Nutzsignal. Bei abstimmbarem Netzbrummen auf AM sollte Batteriebetrieb erfolgen (Netzstecker ziehen!)
Durch den konstruktiven Aufbau kann es beim Umschalten von AM auf FM zum gleichzeitigen Aufleuchten mehrerer Leuchtdioden der Senderwahltasten kommen. Durch nochmaliges Drücken der gewünschten Sensortaste ist die Abstimmung wieder möglich.

Aus radio fernsehen elektronik Nr. 38/1989 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Verlages VEB Verlag Technik Berlin.

Messwerte:

Bereich Bereichsgrenzen rauschbegrenzte
Empfindlichkeit
Spiegel-
selektion
Trenn-
schärfe
Bandbreite
breit - - - - - - - - - - schmal
UKW 86,73...106,99 MHz 1,5 uV
an 75 Ohm
- - - -
LW 142...361,2 kHz 34 dB/uV 25 dB 34dB    
MW1 512,1...838,9 kHz 33 dB/uV 44 dB 56 dB 3,5 kHz 2,25 kHz
MW2 839,4...1555 kHz 24 dB/uV 34 dB 61 dB    
KW1 4,68...5,14 MHz 25 dB/uV 55 dB 70 dB 3,3 kHz 2,2 kHz
KW2 5,78...6,19 MHz 25 dB/uV 66 dB      
KW3 6,93...7,42 MHz 25 dB/uV 60 dB      
KW4 9,33...9,91 MHz 29 dB/uV 60 dB      
KW5 11,47...12,15MHz 32 dB/uV 60 dB      
KW6 14,86...15,64 MHz 31 dB/uV 60 dB      
KW7 17,45...18,09 MHz 29 dB/uV 60 dB      
KW8 21,15...22,09 MHz 30 dB/uV 60 dB      

f zF2 AM — 462,251 kHz

© Ing. Mario Tauche und Ing. Holger Weinberg, kurier 15 / 1990