Sangean
Chung Ho City, Taipei Hsien 235, Taiwan

ATS 303: Testbericht © kurier 12 / 1998

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ATS 303
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überarbeitet am 22.7.2010

Einfachsuper,

Digitalanzeige, 5 kHz

AM, FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW 2,3 - 7,3 MHz, 9,5 - 26,1 MHz

Selektivität -6 dB/ -50 dB

Sensitivität

20 Speicher, Uhr, Timer

Nachdem sich Siemens vor einiger Zeit vom Produktbereich der Unterhaltungselektronik zurückgezogen hatte, sah es eine Zeitlang so aus, als wäre der deutschsprachige Markt einer Reihe von sehr interessanten Reiseradios beraubt. Doch dann kam alles ganz anders: Denn da Siemens es anstelle eigener Konzepte zu entwickeln vorgezogen hatte, die Geräte der in Taiwan beheimateten Firma Sangean unter dem eigenen Firmennamen anzubieten, waren die früheren Siemens-Weltempfänger im Prinzip weiterhin auf dem Markt erhältlich. Nur eben unter dem Namen Sangean - und vorerst nicht in Deutschland. Doch das hat sich mittlerweile geändert: Geht es um den Bereich der Weltempfänger, hat Sangean auf dem Weltmarkt einen ähnlich guten Namen wie Sony. Und es gibt sogar Gerüchte, daß Grundig USA (nicht zu verwechseln mit Grundig Deutschland!) und Sangean das Projekt Satellit 900 noch nicht endgültig begraben haben. Doch das ist Zukunftsmusik. Wir beschäftigen uns nachfolgend mit einem der schon heute verfügbaren Radios von Sangean, das man als einfaches Einsteigergerät bezeichnen kann.

Ausstattung
Der Sangean ATS 303 bietet die Grundausstattung eines Reiseradios: Untergebracht in einem schwarzen Gehäuse im Format 170 x 110 x 35 mm (B x H x T) empfängt das Gerät die Wellenbereiche Mittelwelle (520 - 1.710 kHz), Kurzwelle (SW1: 2.300 - 7.300 kHz & SW2: 9.500 - 26.100 kHz; auf Umschaltung werden nur die für den Hörfunk zugeteilten Kurzwellenbereiche empfangen) und UKW (87.5 - 108.0 MHz; stereo über Kopfhörer). Der Wechsel zwischen den Wellenbereichen (FM, MW, SW1, SW2) erfolgt über einen Schiebeschalter auf der Oberseite des Empfängers. Die Frequenzabstimmung geschieht entweder mit Hilfe eines aktivierbaren Suchlaufs oder mittels Aufund Abtasten in Schritten von 9 oder 10 kHz auf Mittelwelle, 5 kHz auf Kurzwelle und 100 kHz auf UKW. Pro Wellenbereich (FM, MW, SW1, SW2) stehen fünf Speicherplätze zur Verfügung, in denen oft gehörte Frequenzen abgelegt werden können. Sowohl Speicherung als auch Abruf der Speicher sind sehr unkompliziert gelöst: Jedem Speicherplatz ist im jeweiligen Wellenbereich eine eigene Taste zugeordnet. Das großzügig dimensionierte LC-Display zeigt entweder die gehörte Frequenz und gegebenenfalls zusätzlich den gerade aktivierten Speicherplatz an, oder die aktuelle Uhrzeit. Das Gerät ist mit einer Weck- und Einschlaffunktion ausgestattet, kann also auch als Reisewecker seinen Dienst versehen. Im Falle eines zu schwachen UKW-Empfangs läßt sich auf Mono-Betrieb umschalten. Für den Empfang von Kurzwelle und UKW dient ein 72 cm langer Teleskopstab, der sich in allen Ebenen auf besten Empfang ausrichten läßt. Für den Empfang der Mittelwelle wurde die übliche Ferritantenne ins Gehäuse integriert. An der rechten Gehäuseseite befinden sich Buchsen zum Anschluß eines Kopfhörers und für die externe Stromversorgung (6 Volt; gängige Buchsennorrn). Zumeist wird man dieses Reiseradio mit Hilfe von vier Mignonzellen mit Energie versorgen, deren Batteriefach auf der Rückseite zugänglich ist, gleich unterhalb einer ausklappbaren Stütze für den bedienungsfreundlichen Betrieb in Schrägstellung. Der nach vorne strahlende Lautsprecher klingt bei UKW- Empfang ein wenig hoch - eine schaltbare Tonblende ist nicht vorhanden -, und erreicht eine beeindruckende Lautstärke, auch wenn man diese aufgrund sonst auftretender Verzerrungen nicht zu hoch wählen sollte. Die 13 Drucktasten auf der Frontseite lassen sich für einen sicheren Transport gegen eine versehentliche Betätigung sperren. Im ausgeschalteten Zustand wird auf dem Display die Uhrzeit angezeigt. Zum Lieferumfang zählt neben der Bedienungsanleitung eine Frequenzliste, in der auch einige grundlegende Informationen zum Thema Kurzwelle gegeben werden.

Empfangspraxis
Ausstattung und Bedienung stellten schon vor Testbeginn klar, daß es sich beim ATS 303 um ein Reiseradio handelt, das in erster Linie preisgünstig die weltweiten Empfangsmöglichkeiten der Kurzwelle erschließen will. Und dies bestätigte sich auch recht bald während der praktischen Erprobung: Tagsüber war es ratsam bei der Frequenzwahl darauf zu achten, daß sich der nächste starke Sender in einem Abstand von mindestens 10 kHz zur gewünschten Station befand, um zu heftige Störungen zu vermeiden. In den Abendstunden gesellten sich gleich zwei weitere Probleme zu der offensichtlich zu groß gewählten Filterbandbreite im Kurzwellenbereich: 1.) Die ansteigenden Signalpegel sorgten für eine Überladung der Eingangsstufe und ein Auftauchen von Mischprodukten. 2.) Eine offensichtlich nicht ausreichende Weitabselektion ermöglichte es, daß sich die Signale starker Stationen auf benachbarten Frequenzen miteinander mischten. So war gegen 17.00 UTC auf 6075 kHz nicht nur die Deutsche Welle zu hören, sondern auch der Bayerische Rundfunk von 6085 kHz. Da der Empfänger über keinen zuschaltbaren Abschwächer verfügt, ließen sich die Auswirkungen der geschilderten Problematik erst dann mildern, als die Teleskopantenne fast ganz eingeschoben wurde. Dies ist ein gangbarer Weg, auf den ein Kurzwellen- Einsteiger jedoch wohl nur in den seltensten Fällen kommen wird. Auch die große Zahl von Mischprodukten außerhalb der eigentlichen Rundfunkbänder der Kurzwelle werden den Einsteiger verwirren. Das Bedienungskonzept läßt es ratsam erscheinen, häufig mit den fünf pro Wellenbereich zur Verfügung stehenden Speicherplätzen zu arbeiten. Dort wird man die jeweils am besten hörbaren Frequenzen ablegen, um sich auf deren Empfang zu beschränken.

Fazit
Basierend auf den im Test gemachten Erfahrungen, möchte man den ATS 303 als den derzeit einzigen Empfänger von Sangean bezeichnen, der nur bedingt empfehlenswert ist. Hingegen sehr empfehlenswert wäre es, den ATS 303 gründlich zu überarbeiten, um diesen auch in Europa zu jeder Tageszeit - also auch in den Ahendstunden - sinnvoll betreiben zu können. In seiner derzeitigen Ausführung schrecken die gezeigten Probleme des Empfängers eher ab, als daß sie Einsteiger zur intensiven Nutzung des Informationsmediums Kurzwelle ermuntern können. Der Listenpreis für den ATS 303 beträgt derzeit DM 159,-. Für DM 198.- erhält man beim Technischen Klubdienst der ADDX e.V. den Sangean ATS 305, der nicht nur auf Kurzwelle ein merkbar besseres Empfangsverhalten als der ATS 303 zeigt, sondern bei UKW-Empfang auch noch über eine RDS-Funktion verfügt (Anzeige des Sendenamens im Display).

© Harald Kuhl, kurier 12 / 1998