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ATS 818 / Siemens RK - 665 / 765: Testbericht © weltweit hören 8 / 1992

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überarbeitet am 22.10.2010

Siemens RK 665 / 765

Doppelsuper, 1.ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz

Digitalanzeige, 10 Hz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW 150 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Filter narrow/wide, RF Gain

Keypad, Uhr, Timer

Optik
Wer sich die Ansicht des RK 665 vor Augen führen möchte, braucht lediglich im WRTH 92 die Seite 44 aufschlagen, wenn das Gerät gerade nicht beim Fachhändler vorrätig ist. Im Design weicht der RK 665 nämlich nur unwesentlich in einigen Zierstreifen von seinem Ursprungsmodell, dem ATS 818 von Sangean ab. Technisch sind die beiden Geräte absolut identisch, soweit wir das beurteilen konnten.

Bedienungselemente und Funktionen
Um mit der Zusammenfassung zu beginnen: der RK 665 läßt sich sehr komfortabel bedienen und steht größeren Heimgeräten diesbezüglich kaum nach. Der Unterschied liegt im Detail.
Das Display z.B. ist zwar groß und gut lesbar, aber nur wenn man das Gerät über die ausklappbare Stütze schräg liegend betreibt. Stellt man den RK 665 senkrecht auf den Tisch, ist der Kontrast der Anzeige deutlich schlechter. Bei längerem Betrieb wird man aber ohnehin den Empfänger schräg stellen, da in dieser Stellung alle Schalter, Regler und Knöpfe an bequemsten erreichbar sind. Mit voll ausgefahrener Teleskopantenne gibt es dann auch keine Standfestigkeitsprobleme.

Hat man den Empfänger eingeschaltet, bleibt einem die Wahl unter vier verschiedenen Möglichkeiten zur Frequenzeinstellung im Bereich von 150 bis 29999 kHz und UKW von 87.5 bis 108 MHz:
1.) Die direkte Eingabe über Zahlentasten (auf 1 kHz genau)
2.) Scannen mit den up/down-Tasten, übrigens mit automatischem Stopp bei stärkeren Sendern (im 5 kHz - Raster bzw. 9 oder 10 kHz auf Mittelwelle)
3.) über den "klassischen" Drehknopf (in 1 bzw. 5 kHz - Schritten gerastert)
4). über die Anwahl von Senderspeichern (18 für SW, je 9 für MW, LW und FM)
Außerdem kann man zwischen den Meterbändern 120 bis 11 m direkt mit zwei Tastendrücken springen. Eingestellt wird dann die zuletzt im entsprechenden Meterband verwendete Frequenz. Also quasi eine zusätzliche Speichermöglichkeit für jedes Meterband. Durch diese Direktanwahl ist ein schneller Wechsel zwischen Frequenzen einer Station auf verschiedenen Meterbändern möglich.

Einige kleine Haken gibt es jedoch:
zu 1.) So muß vor jeder direkten Frequenzeingabe zuerst die "Frequenz"-Taste betätigt werden, denn in der Grundeinstellung befindet sich das Gerät im "Speicher"- Modus, d. h. man wählt mit jedem Tastendruck einen Speicherplatz an. Diese Eingabeprozedur ist etwas gewöhnungsbedürftig.
zu 2.) Der automatische Sendersuchlauf mit den up/down-Tasten ist für FM recht nützlich, bei SW jedoch eher lästig.
zu 3.) Der Drehknopf hat die etwas seltsame Eigenschaft bei einem Richtungswechsel genau eine Rasterung (1 oder 5 kHz je nach eingestellter Feinheit) tot zu bleiben. Erst mit dem zweiten "Klick" bewegt sich die Frequenz um 1 bzw. 5 kHz in die entgegengesetzte Richtung. Beim genauen "Auspendeln" des Signalmaximums eines Senders ist das etwas störend.
Gegen versehentliches Verstellen eines Senders gibt es zwei Lock-Funktionen. Die "schärfere" von beiden blockiert sogar das Ein- und Ausschalten des Gerätes, was z.B. im Reisegepäck sehr sinnvoll ist.
Die Speicheranwahl ist, wie bereits erwähnt, ohne Umschaltung sofort möglich. über eine (Speicher 1 bis 9) bzw. zwei (Speicher 01 bis 09) Tastenbetätigungen sind die 18 SW-Speicher erreichbar. Die Speicher (SW) sind mit gängigen Standardfrequenzen, wie z.B. DW und RöI vorbelegt, können aber alle umprogrammiert werden.

Die Stromversorgung des RK 665 erfolgt über 4 Monozellen. Als Backupversorgung dienen 3 Mignonzellen. Sie sollen den Verlust der Speicherinformationen (Frequenzen, Uhrzeit) bei Batteriewechsel oder bei abgeschaltetem Netzteil verhindern. Zum einfachen ungesicherten Betrieb sind sie aber nicht notwendig. Bei Batteriebetrieb zeigt der RK 665 nach dem Ausschalten einige Sekunden lang über die S-Meter-Anzeige den Batteriezustand an. über das mitgelieferte Netzteil kann der Empfänger an 220V angeschlossen werden.
Weitere erwähnenswerte Funktionen des RK 665 sind die Fähigkeit zwei unabhängige Uhrzeiten (Zeitzonen) anzuzeigen, z.B. UTC und Lokalzeit. Sowohl für Reisende als auch im stationären Betrieb eine oftmals nützliche Funktion.
Ferner bietet das Gerät verschiedene von Radioweckern her bekannte Funktionen, wie eine "Einschlafautomatik" (1 Stunde) und Weckfunktionen. Wecken lassen kann man sich per Radio oder durch das "humane Wecksystem". Das bedeutet, daß der Weckton in Intervallen lauter wird, bis der Schlafende irgendwann nachgibt.
Das S-Meter ist, wie auch andere Einzelheiten des Gerätes, gewöhnungsbedürftig. Die feine Balkendarstellung täuscht eine sehr hohe Genauigkeit vor. In Wirklichkeit sind es aber "nur" 7 Stufen. Warum 7? Das bleibt wohl Geheimnis der Entwickler von Sangean. Erwähnenswert ist noch, daß der MW-Bereich schon bis 1710 kHz geht (USA läßt grüßen).
Der eingebaute Lautsprecher bietet dank seiner Größe (etwa 50% der Frontfläche des Gerätes) einen angenehmen Klang. Die eingebaute Teleskopantenne muß von Zeit zu Zeit festgezogen werden (Kreuzschlitzschraube am Schwenkgelenk).
Die als Beilage mitgelieferten zwei Frequenzlisten sind von äußerst konträrer Qualität. Das "Wave-Handbook" ist so veraltet, daß es schon wieder aktuell ist. Dort ist z.B. das längere Schweigen von Radio Kuwait spurlos vorübergegangen. Ferner werden Sender wie Radio RSA in Deutsch oder RBI gelistet. Eher was für’s Museum. Die zweite Liste mit deutschsprachigen Sendungen, bearbeitet von einem kommerziellen Verlag, ist deutlich besser ausgearbeitet und aktueller.
Als Resümee zur Bedienung des RK 665 kann man konstatieren, daß das Gerät nach Gewöhnung an kleine Eigenarten recht komfortabel zu bedienen ist.

Empfangseigenschaften
Hiermit kommen wir zu den Knackpunkten des RK 665. Der Anschluß einer externen Antenne geschieht etwas ungewöhnlich über einen 3.5mm Klinkenstecker, hat aber den Vorteil, das damit automatisch die interne Antenne abgeschaltet wird.
Der SSB-Betrieb bietet "nur" einen einfachen BFO. Seitenbandauswahl ist also nicht möglich, damit auch kein "ECSS-Betrieb". Die Einstellung des BFO bedarf etwas Fingerspitzengefühl. Die vorhandene RF-Regelung ist eigentlich überflüssig, da sie keinerlei Einfluß auf die Empfangseigenschaften hat. Sie wirkt eigentlich nur als zweiter Lautstärkeregler.
FM (UKW): Mit der eingebauten Teleskopantenne lassen sich nicht nur starke Lokalsender, sondern auch weiter entfernte schwach einfallende Stationen empfangen. Dank des großzügig konzeptionierten Lautsprechers ist die Audioqualität dabei gut. Stereoempfang ist durch Anschluß eines Kopfhörers möglich.
AM: Wenn der RK 665 bisher noch einen recht guten Gesamteindruck ohne gravierende Schwächen machte, so muß er beim AMEmpfang doch erheblich Federn lassen. So fällt als erstes auf, daß der Empfang über die eingebaute Teleskopantenne auf Kurzwelle einen recht müden Eindruck macht. Während diese geringe Empfindlichkeit in einem Frequenzbereich von ca. 9 bis 15 kHz nicht so sehr ins Gewicht fallt, ist man speziell auf den Tropenbändern von der fast schon gespenstischen Ruhe verblüfft. Es sind lediglich die starken Sender (wie z.B. Kiev auf 4940 kHz oder Radio Ala auf 5040 kHz) brauchbar zu empfangen. Mittlere Stationen (Bsp. Ghana auf 3366 kHz oder Mauretanien auf 4845 kHz), die auf anderen Geräten noch brauchbar zu empfangen sind, bereiten schon erhebliche Probleme. Neben der schlechten Empfindlichkeit kommt als zweiter Effekt besonders bei einsetzender Dunkelheit hinzu, daß der Empfänger recht schnell übersteuert und diverse "Geisterfrequenzen" produziert. Arbeitet man mit der eingebauten Stabantenne, braucht man sehr viel Fingerspitzengefühl, um die richtige Länge der Antenne abzupassen, so daß einerseits die Empfindlichkeit nicht zu stark gedämpft wird und andererseits keine übersteuerungseffekte auftreten. Bei dieser Arbeit nutzt der eingebaute RF-Regler überhaupt nichts. Weder beeinflußt er das Empfindlichkeitsverhalten (S/N-Verhältnis) noch hat er Auswirkungen auf Ubersteuerungseffekte oder Geisterfrequenzen. Er wirkt schlicht als zweiter Lautstärkeregler.
Etwas Abhilfe, zumindest in Bezug auf die Empfindlichkeit, bietet der Einsatz einer externen Antenne. Aber bitte Vorsicht! Ein 50m Langdraht überfordert den RK 665. Ein paar wenige Meter sind das Maximum. Außerdem ist unbedingt (!!!) eine Matchbox (Pi-Filter) erforderlich, um übersteuerungseffekte vernünftig in den Griff zu bekommen.
Umwälzende Verbesserungen sind aber auch mit einer externen Antenne nicht zu erreichen. Im Tropenband konnten einige mittelstarke Sender mit besserer Qualität empfangen werden. Schwache Stationen oder gar Exoten waren nicht auszumachen.

Die besten Ergebnisse sind mit dem RK 665 in den mittleren bis hohen Kurzwellenbereichen zu erzielen. So konnte ich z.B. Myanmar auf 7185 kHz empfangen (mit externer Antenne (ca. 5m Draht) und Matchbox) und zwar nur unwesentlich schlechter als mit einem ESKA-modifizierten NRD 535 DG und 50mLangdraht. Das war aber der Ausnahmefall!
Die umschaltbare Bandbreite bringt im 5kHz-Raster der Kurzwelle teilweise recht gute Ergebnisse, besonders bei leichten Störungen von Nachbarkanälen. Extreme Störeinflüsse können aber natürlich nicht bewältigt werden.

Fazit
Empfindlichkeit und übersteuerungsfestigkeit sind nicht gerade die Stärken des RK 665. Als Reiseempfänger, um mit der Heimat in Verbindung zu bleiben, ist der Empfänger durchaus geeignet. In Verbindung mit seinem recht guten Klang und den verschiedenen Weckfunktionen ist er sicher ein angenehmer Reisebegleiter.
Wer den RK 665 als DX-Maschine auf der Jagd nach exotischen Stationen einsetzen will (besonders in den Tropenbändern), wird jedoch mit Sicherheit enttäuscht. Eine externe Antenne mit Matchbox bringt zwar Verbesserungen, versetzt aber keine Berge.
Die Entwickler sollten sich bei dem Gerät über Empfindlichkeit, Antennenanpassung und Dynamik noch mal einige Gedanken machen. Hilfreich wäre eine Antennenanpassung, wie sie früher an den Satelliten vorhanden war (über Drehko). Das Netzteil sollte in Hinblick auf Weltreisende zwischen 110 und 220V umschaltbar sein.

Technische Daten Siemens RK 665
Frequenzbereich: 150kHz - 30 MHz AM, 87,5 MHz - 108 MHz FM
Digitale Frequenzanzeige: auf 1 kHz genau
PLL-Doppelsuper: 1. ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz
Stromversorgung: vier 1,5V-Mignonzellen + drei Mignonzellen, bzw. extemes Steckernetzteil (beigepackt)
Antennen: eingebaute Ferritantenne (LW/MW)
Teleskopantenne (UKW/KW)
Anschlußbuchse: für ext. Antenne, externe Stromversorgung, Kopfhörer
Abmessungen: ca. 300x 190 x 80 mm
Gewicht: ca. 1,8 kg (ohne Batterien)
Preis: ca. 448 DM (Fachhandel)

Der Siemens RK 670 unterscheidet sich von diesem Gerät hauptsächlich durch einen eingebauten Radiorecorder, der das Gewicht auf ca. 2 kg hebt, der Preis liegt bei 498 DM.

weitere Lektüre:
d: Siemens RK 765, Karl Thomas Oberem, kurier 18 / 96

© Thomas Adam, wwh 8 / 1992