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ATS-818CS / Siemens RK - 670 / 770: Testbericht © kurier 21 / 1995

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überarbeitet am 22.7.2010

Plädoyer für ein Mauerblümchen:
Erfahrungen mit dem Siemens RK-770

Doppelsuper, 1.ZF 49,995 MHz, 2. ZF 450 kHz

Digitalanzeige, 10 Hz

AM, SSB (BFO), FM (UKW)

UKW, LW, MW, KW 150 kHz - 30 MHz

Selektivität -6 dB/ -60 dB

Sensitivität

Filter narrow/wide, RF Gain

Keypad, 45 Speicher, Uhr, Timer, integr. Kassettengerät

Der Siemens RK-770 ist - verglichen mit anderen tragbaren Weltempfängern - nicht gerade eine Schönheit. Er hat so gar nichts von dem schlanken, eleganten Format eines Sony SW-77 oder von der Gediegenheit eines Grundig Satellit 700; grau kommt er daher, wie der Alltag, nüchtern, die Figur ist ein bischen massig, fast schon klobig, da ist alles dran, was ein ordentlicher Empfänger braucht, und noch einiges mehr. Wieviele Weltempfänger bieten schon ein integriertes Cassettenteil? Und doch: Rein äusserlich hätte dem Gerät ein etwas attraktiveres Design gut getan.
Man muß ihn nehmen, wie er ist: der RK-770 ist nun mal ein Typ mit Ecken und Kanten. Quadratisch, praktisch, - aber: auch gut? Ich behaupte: Auch wenn ihm der inzwischen schon beinahe selbstverständliche Synchrondemodulator abgeht, und wenn seine 45 Speicher im Vergleich mit den Speicherriesen von Sony und Grundig lächerlich wenig scheinen: Von den Empfangsleistungen her kann der Siemens seinen Konkurrenten oft genug das Wasser reichen, und sie in Verbindung mit dem Preselector der ADDX, dem PRE-1, beim Empfang sehr schwacher und ungestörter Stationen sogar übertreffen. Und das ist bei einem Kaufpreis von unter DM 500.- und einem Gebrauchtmarktpreis, für den man sonst gerade mal ein besseres Reiseradio bekommt.
Einige Wochen lang habe ich den RK-770 mit den Sonys SW-77 und 2001D und den Grundig-Geräten S-700 und S-500 parallel betrieben. Es stellte sich bald heraus, daß der Siemens in Verbindung mit dem Pre-1 im Vergleich zu den anderen Geräten am effektivsten arbeitet. Etwas weniger stark ist die Wirkung des kleinen Zauberkästchens am 2001D, deutlich schwächer an den beiden Satelliten und dem SW-77. Apropos: Wer den Preselector beim SW-77 in die Antennenbuchse steckt, erlebt keine Überraschung: Der Pre-1 wird zu einer Art zweitem Senderwahlknopf...
In Verbindung mit dem Pre-1 brachte der RK-770 das sehr schwache Zeitzeichen von CHU in Ottawa, Kanada, auf 14670 kHz klar und deutlich, während es auf den Satelliten ohne Pre-1 nur rauschte und mit dem Pre-1 kaum zu erahnen war. Am frühen Nachmittag konnte ich mit dem RK-770 (+ Pre-1) den ..an der Grasnabe nagenden" Sender Abu Dhabi auf 21735 kHz etwas besser und verständlicher empfangen, als mit dem 2001D, der allerdings seinen Nachfolger SW-77 und die beiden Satelliten deutlich übertraf. Der RK-770 wirkt in der Klangcharakteristik gröber und holpriger als die Sonys, bei halbwegs stabilem Signal ist die Verständlichkeit aber schon recht zufriedenstellend. Beim Empfang von Radio Japan über Gabun auf 17750 kHz brachte der SW-77 ein schwaches aber klares Signal, sehr ruhig, das S-Meter tänzelte wie gewohnt um den Vollausschlag herum, während das S-Meter des S-700 überhaupt keine Reaktion zeigte. Hier war der RK-770 zweiter Sieger, erweist sich auch von seinem S-Meter her als verhältnismässig realistisch. Die Satelliten rauschten etwas stärker bei allerdings immer noch guter Lesbarkeit, mit leichten Vorteilen für den S-700.
Am Abend dann kam Radio Korea auf 7550 kHz auf dem SW-77 miserabel, dumpf und verrauscht. Der 2001D und der RK-770 brachten Korea gut verständlich unter Zuhilfenahme des Pre-1, während der SW-77 auf den Pre-1 wieder einmal kaum reagierte. Als Masseanschluß für den Pre-1 läßt sich beim SW-77 nur die Ohrhörerbuchse benutzen, die somit für den Kopfhörerbetrieb blockiert ist. Die anderen Buchsen erlauben keine brauchbare Masseverbindung. Auch Radio HCJB aus Quito auf 15520 kHz kam an diesem Abend um 21.00 Uhr ziemlich schwach und mit starkem Fading und konnte nur mit dem RK-770 und dem Sony ICF 2001 D noch aufgenommen werden, auch der S-700 zog noch so gerade mit, der SW-77 brachte nur Rauschen. Im SSB-Betrieb liegen die beiden Sonys natürlich in Führung, der SSB-Empfang ist mit dem RK-770 wegen seiner BFO-Lösung allenfalls zufriedenstellend. Anzumerken wäre noch, daß der RK-770 auf Mittel- und Langwelle sehr brauchbare Leistungen erzielt, etwas weniger gut als der 2001D, aber besser als die Grundig Geräte und deutlich besser als der SW-77. Da es sich um portable Geräte handelt, die gerne auch als Reisebegleiter eingesetzt werden, habe ich alle Geräte ganz bewusst nur mit Batterie betrieben. Benutzt wurde ausschliesslich die Teleskopantenne, um herauszufinden, was die Empfänger ohne grösseren Antennenaufwand und aufwendiges Zubehör leisten. Sicherlich können sich die Resultate beim Einsatz zusätzlicher Antennen und bei Netzbetrieb noch etwas ändern.

Fazit
Der Rk-770 ist ein Mauerblümchen mit erstaunlichen "inneren Werten". Er wird vielfach unterschätzt. Der Siemens hält einem Vergleich mit den wesentlich teureren Geräten von Grundig und Sony in den meisten Empfangssituationen durchaus stand. Die Filter arbeiten so wirksam, daß viele Störungen durch leichtes Verdrehen der Abstimmung um 1 kHz nach oben oder unten wirksam entkräftet oder sogar ausgeblendet werden können. Die Empfindlichkeit des RK-770 mag allein an der Teleskopantenne nicht immer optimal sein, in Verbindung mit den: Pre-1 erreicht sie ein Niveau, das in dieser Preisklasse so schnell nicht überboten werden dürfte. Auch wenn die Sony- und Grundig-Geräte durch ihre Synchrondemodulatoren manche knifflige Empfangssituation für sich entscheiden können, der RK-770 bietet neben einem kaum zu schlagenden Preis-/Leistungsverhältnis einen derart soliden Empfang, daß nicht nur Einsteiger, sondern auch etwas anspruchsvollere Fernhörer, die ein preiswertes Zweitgerät suchen, ihre Freude daran haben werden.

© Rolf-Dieter Wiedenmann, kurier 21 / 1995