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Sony Corporation, Tokyo

Testbericht Sony CFS - 950 S
© addx, Rainer Lichte

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Empfängerliste

überarbeitet am 21.12.2002

Doppelsuper,

Analoganzeige, ca. +/- 2 kHz

MW, KW 1.6 - 22.1 MHz, FM-UKW

AM, SSB (BFO), CW, FM (UKW)

Selektivität -6 dB/ -60 dB
3,6 / 11,8 kHz

Sensitivität
AM 1,4 - 3 uV

RF-Gain

Das getestete Gerät CF-950S ist die Kombination eines Mehrbereichsempfängers mit einem leistungsfähigen Mono- Cassettenteil für Aufnahme und Wiedergabe. Ein eingebautes Mikrofon und andere schaltungstechnische Maßnahmen erlauben das Einblenden von Kommentaren in eine laufende Aufnahme. Die Cassette kann also als Stationslog benutzt werden. Schaltuhrbetrieb ist auch für die Aufnahmefunktion möglich. Der KW-Teil beruht auf dem des ICF-5900 W, nur liegen die KW-Frequenzbereiche hier etwas anders: Ab 22 MHz geht nichts mehr. Batterie- und Netzbetrieb sind möglich, obwohl aufgrund der Dimensionen ein tragbarer Betrieb unwahrscheinlich erscheint. Das Schaltungsprinzip ist aufwendig genug; die praktische Ausführung jedoch nicht ganz tadelsfrei.

Gerätekonzept
Die Kopplung eines KW-Empfängers mit einem Cassettenrecorder ist gut gelungen. Die Aufnahme interessanter Passagen ist problemlos mit nur einer Taste möglich; die Aussteuerung geschieht automatisch. Diese automatische Aussteuerung arbeitet gut und ist frei von den sonst bei Automatik- Recordern beobachteten Schwächen wie Verzerrungen beim Regeleinsatz, falsche Regelzeit und Dynamikkompression. Oberaus interessant ist jedoch die Einblendtaste credit in: Zur laufenden Aufnahme läßt sich der Kommentar einblenden, z.B. Frequenz, Station, Signalqualität, Datum und Zeit. Dabei bleibt die aufzunehmende Station hörbar, der Sprachpegel des Kommentars liegt um ca. 8 dB darüber. Die Aufnahmefunktion kann über die Buchse Remote mittels Schaltuhr gestartet werden. Ohne den Radioteil herabsetzen zu wollen erscheint der integrierte Cassettenrecorder doch eine Klasse besser zu sein. Die Gleichlaufwerte und sonstige relevante Daten sind ganz ausgezeichnet. Der Klangeindruck einer Cassettenaufnahme (UKW-Programm) ist bei Wiedergabe besser als das Original - ein Effekt, der gelegentlich schon bei anderen Geräten auf dem Hi-Fi-Sektor beobachtet wurde (bandabhängig). Der KW-Teil benutzt die gleiche Technik wie der ICF-5900W und leistet auch dasselbe. Bedauerlich ist die sehr gedrängte Skalenteilung auf KW.

Testergebnisse
Formgebung und Bedienbarkeit: Lobenswert ist die Größe der Bedienungselemente; hier läßt sich gut schalten und walten. Das fast quadratische Hochformat rückt Frequenzskalen und Abstimminstrument in den besten Blickwinkel. Die Skalenbeleuchtung ist allerdings viel zu schwach.
Ist die Einteilung der KW-Bereiche 1 und 2 noch gut zu erkennen, so wird auf Bereich 3 ab 15 MHz die Erkennung der Eichpunkte schon schwierig, und ohne Bandspreizung - welche eine vorherige Eichung voraussetzt - läßt sich das Potential des KW-Teils nicht ausschöpfen. Völlig danebengeraten sind jedoch die MW- und die UKW-Skala: Auf MW alle 100 kHz eine dicke Markierung, auf UKW alle 2 MHz, dazwischen gähnende Leere. Dabei ist die hier verwendete Filmskala für feine und feinste Markierungen hervorragend geeignet.
Uns ist durchaus bekannt, daß die Zusammendrängung der Skala auf KW3 eine konstruktionsbedingte Notwendigkeit ist, gegeben durch Delta C des Abstimmkondensators und den zu überdeckenden Frequenzbereich. Eine Aufteilung in vier Bereiche wäre jedoch zweckdienlicher.
Für die mangelhaften Skalen auf MW und UKW gibt es keine Entschuldigung. Dabei ist der MW-Teil gar nicht schlecht und verdient diese stiefmütterliche Behandlung nicht. Die von 0 bis 10 reichende Linearskala hat zwar 100 Teilungen, ist aber eben eine Merkskala. Schade.
Das Gerät besitzt keinen richtigen Ein/Aus- Schalter; diese Funktion übernimmt ein Mehrfachschalter mit gewöhnungsbedürftigen englischen Bezeichnungen. Mit zunehmender Testdauer wuchs bei uns das Verlangen nach einem richtigen, eindeutigen Ein/Aus-Schalter.
Die Lage des Schalters für den Kalibrator ist unglücklich gewählt; ersollte neben die Schalter für AFC und BFO gesetzt werden. Die Anordung der Bedienungselemente des Radioteils ist allgemein nicht gut konzipiert; leider sind nachträgliche Änderungen nicht möglich. Korrekterweise muß bemerkt werden, daß im Gerätekonzept nicht viel Raum für Schalterplazierung ist.
Das Gehäuse - ganz in schwarz - verzichtet mit Ausnahme zweier übergroßer Chromgriffe an den Seiten auf jeglichen Zierat. Trotz Hartkunststoffausführung macht das gesamte Gerät einen wohltuend soliden Eindruck.
Der Cassettenteil ist leicht bedienbar. Zur Reinigung der Köpfe ist das Cassettenfach abnehmbar. Dieses Fach sollte stets geschlossen sein, weil sonst Staub und/oder andere Dinge in die empfindliche Mechanik gelangen könnten.
Eine ausführliche Bedienungsanleitung und reichhaltiges Zubehör runden das Bild eines Mehrzweckgeräts mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ab.

Empfangsleistung
Antennenanpassung, HF-Handregelung und Bandbreitenschaltung sind nicht vorhanden. Wie jedoch das Doppelsuperprinzip vermuten läßt, ist die Leistung auf KW ordentlich, aber nicht besser als bei dem viel kleineren ICF-5900W. Mit der Teleskopantenne lassen sich die gängigen Sendergut einfangen; richtig interessant wird es jedoch erst mit Langdrahtantenne und Collinsfiiter. Beim Test überraschte die Empfangsleistung angenehm: der ICF-5900W reagiert nicht so gut auf die Drahtantenne. SSB-Empfang ist möglich; die Feinabstimmung arbeitet präzise genug. Auch ist der BFO erfreulich stabil. Die Bandbreite ist jedoch zu groß um in den Amateurbändern "mithören" zu können.
Die Ablesegenauigkeit der Bandspreizskala ist 2 bis 3 kHz. Auch hier ist eine genauere Teilung prinzipiell möglich und kann auch nachträglich angebracht werden.
Der MW-Teil ist gute Mittelklasse; die schlechte Skala setzt den Gebrauchswert dieses Teils herab. Mit einer abstimmbaren Ferritantenne ließ sich der Empfang verbessern, ,jedoch ist die eingebaute Ferritantenne nur nach einem Eingriff ins Gerät "totzulegen". Für externe MW-Antennen ist dies jedoch notwendig.
Der UKW-Teil ist uneingeschränkt gut und liefert ein sauberes, rauschfreies Signal in bester Kofferradioqualität. Cassettenaufnahmen von UKW-Sendern waren tadellos. Bei Aufnahmen, gleich auf welchem Wellenbereich, treten keine Interferenzen mit dem Oszillator des Cassettenteils auf.
Der NF-Teil liefert ein sauberes, verzerrungsarmes Signal mit genügend hoher Leistung. Das Gerät ist daher auch als Cassettenspieler interessant.

Nebensächliches
Der CF-950S ist außerordentIich servicefreundlich: Skalennacheichung und Bandabgleich sind ohne Ausbau des Chassis möglich. Das - bestellbare - Servicehandbuch ist sehr präzise und zeigt sogar Meßsender- und Meßgeräteanschlüsse.
Der hohe Stromverbrauch, verbunden mit kleiner Batteriekapazität (vier Monozellen), macht Portablebetrieb umständlich. Da Netzbetrieb so oft wie möglich in Anspruch genommen werden sollte, wurde ein Fach für das Netzkabel vermißt. Man kann sich damit behelfen, das Kabel im - leeren - Batteriefach unterzubringen.
Das Blockschaltbild läßt den schaltungstechnischen Aufwand erkennen. Die saubere Aufteilung in Funktionsblöcke erleichtert den Service. Die Bandspreizeinrichtung arbeitet nicht auf MW, wohl aber der BFO. Umgekehrt wäre es besser. Das Gerät wurde gemessen wie erhalten. An den differierenden Empfindlichkeitswerten ist unschwer zu erkennen, daß ein Nachabgleich Verbesserungen bringen kann: Ohne größere Probleme wurden im gesamten KW-Bereich Werte um 1.3 uV erreicht.

Wertung und Kritik
Die Preis/Gegenwert- Relation des Gerätes ist problematisch. Setzt man den Verkaufspreis des ICF-5900W - und um dessen HF-Teil handelt es sich hier - in Rechnung, so zahlt man einen hohen Preis für einen Cassettenrecorder und ein ansprechendes Design. Lobenswert ist der Mut von Sony, dieses Gerätekonzept auf den Markt zu bringen. Aber Radio- Cassettenrecorder gibt es wie Sand am Meer. Da dieses Gerät sich jedoch am DX-Markt orientiert, sollte der HF-Teil auch konsequent auf DX ausgelegt sein. Zumindest wäre eine bessere Skalenteilung auf MW und KW3, HF-Handregelung und Bandbreitenschaltung zu fordern. Die enorme Vielseitigkeit des Gerätes ist immerhin ein Trost für ein im Ansatz lobenswertes, aber nicht konsequent durchgeführtes Konzept. Die Auslieferung dieses Modells endete Anfang 1980; Restbestände sind derzeit für ungefähr DM 500.- erhältlich.

Sony CF-950S Technische Daten und Meßwerte
Hersteller Sony
Vertrieb Fachhandel
Geratetyp DX-Kofferradio mit Cassettenrecorder
Schaltungstyp Wadley Superhet (KW)
Frequenzbereiche KW 1,6 - 22,1 MHz, MW und UKW
Frequenzanzeige Analog mit +/- 1 kHz Auflösung
Ablesegenauigkeit 2 - 3 kHz
Absolute Genauigkeit -
Frequenzstabilität bei DeltaT von 10° C 2 kHz, innerhalb 1 Stunde 1 kHz
Besonderheiten Eichbare Feinabstimmung auf KW. Leistungsfähiger Cassettenteil mit direkter Aufnahrnemöglichkeit des Radioprogramms plus Einblendung von Kommentaren. Klangstarkes DX-Koffergerät.

HF-Teil

Empfindlichkeit
in uV an 50 Ohm bzw. 1 KOhm bei BC
0.1 MHz - 1.5 MHz für 26 dB S+ N/N
2 MHz - 30 MHz für 6dB S+N/N
Modulation AM, 400 Hz, 30 Prozent

Frequenz (MHz) AM
0.2 38
0.5 34
1 28
1.5 28
2 1.4
5 2.2
7 2.5
10 1.1
15 3.0
20 2.1

Trennschärfe (kHz): 7 MHz +/- 1 MHz

  -6 dB -60 dB
AM 3.6 11.8

Spiegelfrequenzsicherheit 65 dB
Zf-Festigkeit 68 dB
AGC-Regelbereich mehr als 45 dB
Abstimminstrument S1 = 3 uVolt, Mitte = 23 uVolt, Ende = 3500 uVolt
Antennen Teleskopantenne 150 cm, Ferritantenne
Antennenanschluß Klemmtasten für Antenne, Erde
Sonstiges Schalter für HF-Empfindlichkeit (Iocal/DX); UKW-Empfindlichkeit 2.4 uV/26 dB S+N/N

NF-Teil
Leistung, Sinus 1.5 Watt, 10% THD
Frequenzgang 80 - 12 000 Hz
Tonblende Bass, Höhen, je +/- 6 dB
Störbegrenzer -
Lautsprecher 25 Ohm, 10 x 15 cm
Anschlüsse Tonaufnahme, -wiedergäbe, Cassettenstop, Ohrhörer, Kopfhörer, Stereoadapter
Stromversorgung Netz 110/220 Volt eingebaut; Batterie vier Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 11 Watt mit Cassettenteil
Maße 43 x 30 x 15 BHT in cm
Gewicht 5.65 kg mit Batterien
Bestückung 13 ICs, 29 Transistoren, 11 Dioden
Zubehör Betriebsanleitung, Leercassette, Reinigungsset
FTZ-Nummer U-185
Preis ca. DM 550,-

© Kurzwellenempfänger, Qual der Wahl, Rainer Lichte