Als dieser für Europa neue Empfänger vor
Jahren erstmals auf dem europäischen Markt angeboten
wurde, gipfelte ein Test des ICF-5900 W, verfaßt von
zwei erfahrenen finnischen DXern, in der
zusammenfassenden Beurteilung: "Die
Wiedergabequalität erwies sich als außergewöhnlich gut
fürs DXen. Besonders bemerkenswert ist das geniale
System der Frequenzbestimmung, dessen Ablesegenauigkeit
bei 1 bis 2 kHz über den gesamten Kurzwellenbereich von
3.8 bis 28 MHz liegt, trotz der geringen Abmessungen und
des günstigen Gewichts dieses Gerätes. Auch die
Empfindlichkeit und Trennschärfe - obwohl wirklich
erstklassigen Funkempfängern etwas unterlegen - erwies
sich als gut genug, den Anforderungen auch eines
fortgeschrittenen DXers zu genügen. Als entscheidende
Nachteile kann man nur die mäßige Eignung für MW-DXer
(Anfälligkeit gegen Überladen, ungenaue Skala) und den
fehlenden Frequenzbereich zwischen 1.6 und 3.8 MHz
anführen."
Das DX-Hobby erfreut sich nicht nur bei uns in Europa
steigender Beliebtheit. In Japan kletterten die
Verkaufsziffern für Kurzwellenempfänger vor einigen
Jahren boomartig in die Höhe, und der im März 1976 von
Sony Deutschland bei uns vorgestellte ICF-5900 W wurde
schon 1975 auf dem japanischen Markt eingeführt. Der
Markt für Kurzwellenempfänger in Japan ist stark
jugendorientiert, so daß Preis und Leistung
entscheidende Rollen spielen. Gerade durch den ICF-5900 W
hatte Sony die starke Stellung für Kurzwellenempfänger
in Japan einnehmen können.
Dieses Konzept - insbesondere in bezug auf die
Bandspreizskala und die Wiederverwendung des UKW-
Zwischenfrequenzverstärkers für AM - beschert dem
Käufer ein wirklich äußerst preiswertes Modell mit der
Leistung von weitaus teureren Funkempfängern. Die
Entwicklungstechniker von Sony hatten eine neue Ära in
der japanischen Radioentwicklung eingeleitet, indem sie
vorhandene Bauteile benutzten, um den Preis niedrig zu
hallen und so diese Leistung zu erreichen.
Entwicklungsfachleute der Konkurrenzunternehmen, die auf
einige Nachteile des Sony-Gerätes verweisen - sie sagen,
die Einstellung wäre für jugendliche Käufer zu
schwierig - und Wert darauf legen, daß sie das gleiche
hätten schaffen können, mußten zugeben, daß Sony mit
diesem Gerät einwandfrei zum Marktführer im japanischen
Kurzwellenempfänger- Geschäft geworden war.
Der Sony ICF-5900 W bestreicht den Mittelwellenbereich,
die Kurzwellenfrequenzen 3.8 bis 28 MHz mit einer Lücke
bei 11.7 MHz in drei Bereichen und den
UKW-Rundfunkbereich. Die Bandspreizskala des Empfängers
ermöglicht die Einstellung jeder KW-Frequenz auf zwei
oder drei kHz genau, so daß die lästige Sendersuche in
der Regel entfällt. Zusätzlich zur sonstigen
Ausstattung sorgen u.a. die Höhen- und Tiefenregler auch
für die von Heimradios gewohnte Tonqualität. Dennoch
ermöglichen neu entwickelte Techniken nicht nur die
Herstellung dieses Kurzwellenempfängers mittels
herkömmlicher Standardbauteile, sondern sie erlauben
sogar die Produktion am normalen Band der
Herstellerwerks.
Abstimmung
Vielleicht die bemerkenswerteste Einzelheit
dieses Gerätes ist die Abstimmungsskala mit
Bandspreizung, die eine durchgehende Abstimmung der
vorhandenen Kurzwellenbereiche ermöglicht. Die
Bandspreizskala ist alle 10 kHz durch Teilstriche
unterteilt und umfaßt einen Frequenzausschnitt von - 150
kHz (also insgesamt 300 kHz), der über einen eingebauten
Eichmarkengeber geeicht wird. Weniger augenscheinlich ist
die Verwendung einer Doppelsuper-Schaltung, wie sie zur
sicheren Spiegelfrequenz- Unterdrückung für
hochfrequente Bänder in Funkempfängern üblich ist. Der
Empfänger verfügt auch über einen eingebauten BFO, um
den Empfang von CW und Einseitenband-(SSB) Funkverkehr zu
ermöglichen.
Das "Zustopfen" des Eingangs durch besonders
stark einfallende Signale, etwa von Ortssendern in
unmittelbarer Nähe, kann durch eine
"DX/Local"- Umschaltung verhindert werden. Die
Anordnung der Kreise für Mittelwelle und UKW entspricht
üblichen Gepflogenheiten. In der Doppelsuper- Schaltung
wird der erste UKW- ZF-Verstärker von 10.7 MHz auch als
erste Zwischenfrequenz für den KW-Empfangsteil benutzt.
Die 455 kHz -ZF für Mittelwelle dagegen dient hier als
zweite Zwischenfrequenz. Durch die hohe 1. ZF ist
gewährleistet, daß Spiegelfrequenzen auch im oberen
Frequenzbereich so weit von der gewünschten Frequenz
liegen, daß deren Unterdrückung keinerlei
Schwierigkeiten bereitet. Die niedrige 2.ZF-Stufe
erleichtert es, die gewünschten Verstärkungs- und
Durchlaßeigenschaften zu erreichen - ihre Bandbreite
bestimmt die Trennschärfe des Empfängers.
Die Nutzung der UKW-ZF-Stufe als 1.ZF schlägt zwei
Fliegen mit einer Klappe. Die Frequenz ist für gute
Spiegelfrequenz- Unterdrückung hoch genug, und das Ganze
kostet nichts zusätzlich. Die 300 kHz-Bandbreite ist
groß genug, die angestrebten Bandspreizeigenschaften zu
erzielen, ohne die Kompliziertheit von Abstimmeinheiten
mit Mehrfach- Drehkondensatoren in Kauf nehmen zu
müssen.
Bandspreizung
Die Bandspreizskala verändert den zweiten
Oszillator, der für die Frequenzumsetzung zwischen 1.
und 2. ZF benutzt wird, um +/- 150 kHz von seiner
Mittelfrequenz. Dies erlaubt eine Feinabstimmung, die auf
allen Kurzwellenfrequenzen des Empfängers gleichbleibt.
Die Skala ist in fast gleiche 10 kHz-Abschnitte
unterteilt. Infolge der sehr flachen
Durchlaßcharakteristik der durch die UKW-ZF-
abgestimmten Kreise und der breitbandigen Abstimmung der
Hochfrequenzkreise ist eine fast konstante
Empfindlichkeit des Empfängers über den gesamten KW-
Bereich gewährleistet.
Um eine Direktablesung der Bandspreizskala zu
ermöglichen, wurde ein Eichquarzgenerator eingebaut, der
aus einem 0.5-MHz-Oszillator und einer
Einfach-Teilerstufe besteht. Eichmarken sind in
0.25-MHz-Abständen über den ganzen Frequenzbereich des
Empfängers möglich.
Zur Bedienung ist es lediglich erforderlich, die
Hauptabstimmskala an der Eichmarke zu eichen, die der
einzustellenden Frequenz am nächsten liegt. Nach
Einschalten des Eichquarzgenerators ist hierzu die
Hauptskala - allerdings mit ein wenig
Fingerspitzengefühl - auf Schwebungsnull abzustimmen.
Anschließend kann man nach Abschalten des
Eichquarzgenerators die Bandspreizskala exakt auf die
gewünschte Frequenz einstellen, ebenso auf alle anderen
Frequenzen bis zu 150 kHz ober- und unterhalb der
gewählten Eichmarke.
Wie bei den meisten anderen Koffergeräten mit
Kurzwellenteil ist die Skalenlänge der Hauptabstimmskala
(in cm pro MHz) viel zu kurz, um auf dieser Skala die
gewünschte Kurzwellenstation direkt einstellen zu
können. Aber die Skalengenauigkeit reicht hier voll aus,
die nächste 250 kHz- Marke unschwer ablesen zu können.
Und um die Schwebungsnull- Einstellung zu erleichtern,
wurde jegliches Spiel in der leichtgängigen
Hauptabstimmung ("toter Gang") ausgeschaltet.
Wenn einmal vom Eichvorgang abgesehen wird, bei dem
Schwebungsnull nach Gehör "einzupfeifen" ist,
läßt sich dieser Empfänger auf die gewünschte
Frequenz abstimmen, ohne auch nur ein einziges Mal
"hineinzuhören".
Sonys Techniker schlossen die potentielle Gefahr des
Durchschlagens von Stationen nahe der ersten
Zwischenfrequenz dadurch aus, daß sie einen doppelten
Mischer in der 1. Mischstufe verwendeten. Dieser Mischer,
wie er in handelsüblichen Kofferradios sonst kaum
verwendet wird, dient gleichzeitig als Umsetzer für das
frequenzniedrigste Kurzwellenband. Ein weiteres für
normale Geräte ungewöhnliches Detail ist die Verwendung
eines Produktdetektors, wenn der BFO für den Empfang von
Morse- oder SSB- Signalen eingesetzt wird. Diese
Kombination macht die Oszillator- Eigenspannung
unabhängig von der automatischen Schwundregelung und
verhindert einen Empfindlichkeitsverlust bei Benutzung
des Überlagerers.
Nachbemerkungen
Im Dauerbetrieb zeigen sich einige Vorteile und
Nachteile des Gerätes:
- Äußerst geringer Batterieverbrauch
- Praktisches Ohrhörerfach
- Wahl des Eichpunktes und Frequenzeinstellung relativ
kompliziert
- Kein Tragegriff (mitgelieferte Riemen sind unpraktisch)
- Skalenbeleuchtung erfaßt nicht die kHz-Einteilung, das
Ablesen der Frequenz im Dunkeln und bei schlechter
Beleuchtung ist daher erschwert.
- Ein-Aus-Schalter zu nahe an deren anderen Schaltern
(Verwechslung möglich - Batterieverbrauch);
- Gerät schaltet sich bei Transport (durch Verschieben
im Behälter) gelegentlich selbst ein.
- Nachlassen der Empfindlichkeit auf höheren Bändern
Trotz dieser Einschränkungen ist der ICF-5900 W im
Preis/Leistungs-Verhältnis nach wie vor ein
Spitzenreiter.
Sony ICF 5900W Technische Daten
Hersteller Sony Corp., Japan
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1: 3.9 - 10 MHz; KW 2 - 3: 11.7 - 28
MHz und MW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit + 5 kHz
Besonderheiten Eichmarkengeber 250 kHz
HF-Teil
Empfindlichkeit 3 uV (10 dB S+N/N)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB; 3.5 / 12,0
Spiegelfrequenzsicherheit besser als 62 d8
Abstimminstrument vorhanden
Antennen Teleskopantenne, Ferritantenne für MW
Antennenanschlüsse Kemmbuchsen
NF-Teil
Leistung, Sinus 1.9 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher 8 Ohm, 10 cm Durchmesser
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher, Aufnahme
Stromversorgung Netz 110/220 Volt über Adapter; Batterie
drei Monozellen
Leistungsaufnahme ca. 7,4 Watt bei Netzbetrieb
Maße 22 x 23 x 10 BHT in cm
Gewicht 2.2 kg mit Batterien
Bestückung 1 IC, 27 Transistoren, 15 Dioden
FTZ-Nummer vorhanden
Preis DM 370,-