Die japanischen
Elektronikkonzerne, allen voran Sony, gelten als Meister
der Miniaturisierung. Als vor einigen Jahren der Sony SW-1
auf den Markt kam, wurde er viel bestaunt. Ein so kleines
Gerät mit durchgehendem Empfangsbereich hatte es bis
dahin noch nicht gegeben. Wer sich den SW-1 gekauft hat,
stiess aber dann sehr schnell an die Grenzen des Gerätes:
Die Empfangsleistung ist nur mässig (geringe
Empfindlichkeit und Trennschärfe). Trotz der Winzigkeit
ist er nicht handtaschentauglich (außenliegender Lautstärkeregler,
Kopfhörerbuchse und Antenne auf gegenüberliegenden
Seiten). Die NF-Leistung ist mickrig und der Lautsprecher
neigt zum Scheppern. Besonders die Funkamateure unter uns
hätten sich eine SSB-Empfangsmöglichkeit gewünscht, um
auch unterwegs wenigstens den Rundspruch hören zu können.
Fragen nach einem SW1-Nachfolger mit besserer
Empfangsleistung und SSB wurden am Sony-Stand auf der HAM-Radio
mit einem freundlichen Lächeln und einem vielsagendem
"Warten Sie s ab" beantwortet.
Nun ist der Nachfolger
endlich da. Seit wenigen Wochen steht er in den Läden.
Er heisst SW-100, hat etwa die Größe des SW-1 und
bietet neben SSB-Empfang auch einen Synchrondetektor mit
schaltbarem Seitenband. Es gibt, wie schon beim SW-1,
zwei Ausstattungsvarianten: Beim SW-100E werden die
Kompaktantenne AN-7 1, ein Stereoohrhörer, eine
Schutztasche und eine Frequenztabelle mitgeliefert. Zum
Lieferumfang des SW-100S gehört zusätzlich noch ein
Netzteil inklusive Netzstecker-Adapter sowie statt der
Drahtantenne AN-71 die Aktivantenne AN-100 dazu. Die E-Version
kostet beim Technischen Klubdienst DM 478.-, die S-Version
wird erst später lieferbar sein. Der Preis hierfür ist
noch nicht bekannt. Das Testgerät, ein SW-100E, wurde
der ADDX freundlicherweise von Sony Deutschland zur Verfügung
gestellt.
Beschreibung
Der SW-100 hat die Abmessungen 110,6 x 23,5 x 72,6 mm
und wiegt einschliesslich zwei Mignonzellen 220 Gramm.
Die Schutztasche ist mit einem Verschluss fest mit dem
Gerät verbunden, so daß keine Gefahr besteht, sie zu
verlieren. Zum Betrieb oder auch Batteriewechsel kann sie
am Gerät bleiben: sie wird einfach nach hinten geklappt.
Wen die Tasche stört, der kann den Verschluss mit einer
Münze oder dem Fingernagel öffnen und die Tasche
abnehmen.
Der SW-100 wird zum Betrieb aufgeklappt. Vorteil: große
Standfläche und viel Platz für Bedienungselemente. Der
obere Teil enthält links den Miniaturlautsprecher und
rechts ein grosses beleuchtbares LC-Display . Auf dem
unteren Teil befinden sich, fast schon wie bei einem
Taschenrechner, die Tasten für nahezu alle Funktionen.
An der linken Schmalseite sind der EIN / AUS-Schalter
MAIN POWER, die Stromversorgungsbuchse DC IN (3 Volt,
Sony-Spezialstecker), der Anschluß für eine
Aktivantenne (3,5 mm Klinke mit 3 Volt
Versorgungsspannung für die Antenne) sowie der
Empfindlichkeitswahlschalter DX / LOKAL untergebracht.
Die rechte Geräteseite beherbergt den Lautstärkeregler,
einen Klangschalter NEWS / MUSIC (auf UKW: MONO / STEREO),
den Aufnahmeausgang LINE OUT (3,5 mm Klinke Stereo) und
den Kopfhöreranschluß (ebenfalls 3,5 mm Klinke Stereo).
Der SW 100 ist für den Empfang von AM, AM mit
Synchrondetektor und SSB ausgelegt. Bei AM-Synchron und
SSB kann unteres und oberes Seitenband getrennt
geschaltet werden. Ausserdem ist auf UKW Stereoempfang (über
Kopfhörer) möglich. Der SW-100 empfängt in der Version
mit BZT Zulassung den Frequenzbereich 150-29999 kHz sowie
76(!)-108 MHz. Die Eingabe der Frequenz erfolgt durch
numerische Eingabe, Speicheraufruf, UP / DOWN-Tasten mit
langsamer Abstimmung oder UP/DOWN-Tasten mit
Rasterabstimmung bzw. Suchlauf. Hält man eine "Langsam-Taste"
gedrückt, so wird quasi analog abgestimmt. Der
Lautsprecher wird dabei nicht stummgeschaltet. Die
Abstimmschritte betragen auf UKW 50 kHz, KW / MW / LW 1
kHz und bei SSB 0,1 kHz. Wird eine der
Schnellabstimmtasten kurz gedrückt, dann wird im
Kanalraster abgestimmt. Dieses beträgt 50 kHz auf UKW, 5
kHz auf KW, 9 bzw. 10 kHz auf MW, 3 kHz auf LW und 1 kHz
bei SSB. Durch längeres Drücken der Taste wird der
Suchlauf gestartet.
Das Mittelwellenraster wird, je nach eingestellter
Lokalzeitzone, automatisch richtig gewählt. Alle 24
Zeitzonen sind bereits ab Werk vorprogrammiert und können
über Städtenamen aufgerufen werden. Die Umstellung auf
Sommerzeit ist auf Knopfdruck möglich. Die Uhrzeit muß
dazu nicht neu eingestellt werden. Es sind zwei unabhängige
Timer vorhanden, die das Wecken durch vorprogrammierte
Sender oder Weckton ermöglichen. Ein Sleep-Timer
schaltet das Gerät nach etwa 60 Minuten aus.
Der SW-100 hat 50 Speicher, die in 10 Speicherseiten zu
je 5 Speicherplätzen organisiert sind. Für jede
Speicherseite kann ein sechsstelliger Name vergeben
werden. Ab Werk sind auf den Seiten 4 und 5 BBC-, auf 6
und 7 VoA- sowie auf 8 und 9 Radio Japan Frequenzen
vorprogrammiert.
Wertung
An Ausstattung und Bedienung gibt es nur wenig zu
kritisieren. Die Bedienungselemente und Anzeigen sind übersichtlich
angeordnet bzw. gut abzulesen. Lediglich der Lautstärkeregler
ist etwas ungünstig an der rechten Ecke angebracht. Läßt
man die Schutztasche am Gerät, kann man ihn nur noch mit
spitzem Fingernagel verstellen. Wünschenswert ist natürlich
auch eine umschaltbare Bandbreite. Der Lautsprecher
verkraftet im Vergleich zum SW-1 zwar höhere Lautstärken
ohne Scheppern, klingt aber dafür etwas quäkig. Der SW-100
ist ausserdem hemdtaschentauglich: Antenne rausziehen und
nach rechts auf den Empfänger legen, Sender einstellen
und Gerät zuklappen (läuft weiter !). In die Tasche
gesteckt, liegen jetzt Antenne, Kopfhörerbuchse und
Lautstärkeregler oben. Alle Vergleiche wurden auf
Batteriebetrieb durchgeführt, da für den SW-100 kein
Netzteil mit passendem Stecker vorhanden war. Um die
Empfangseigenschaften des Neuen einschätzen zu können,
wurde er mit seinem Vorgänger SW-1 verglichen. Dieser
Vergleich verlief leider ziemlich enttäuschend. Der SW-100
liegt in der Empfindlichkeit in etwa auf dem Niveau des
SW-1. Das eingebaute ZF-Filter hat einige Mühe, Sender
im 5-kHz-Raster zu trennen. Der Synchrondetektor hilft da
auch nur weiter, wenn ein Nachbarkanal frei ist. Sind
jedoch beide Nachbarkanäle mit starken Sendern belegt,
was gerade in den unteren Bändern häufig der Fall ist,
dann ist auch mit dem Synchrondetektor kein störungsfreier
Empfang möglich. Beim Empfang schwacher Sender, z.B. in
den Tropenbändern, rastet der Detektor häufig aus.
Liegt ein störender Utilitysender dicht neben dem
Nutzsender, dann wird dieser häufig synchronisiert. Der
Fangbereich der Automatik ist mit +/- 2 kHz zu groß gewählt.
Ein weiterer Punkt spricht ebenfalls nicht für die
Qualität des ZF-Filters: es weist ca. 12 bis 15 kHz
oberhalb der Empfangsfrequenz eine Nebenresonanz auf, d.h.
starke Stationen sind oberhalb ihrer Empfangsfrequenz
noch einmal verzerrt zu hören und decken damit schwache
Stationen zu. Beim SW-1 tritt dieser Effekt nicht auf.
Der Empfang von SSB-Sendern z.B. in den Amateurfunkbändern
leidet natürlich auch unter der geringen Empfindlichkeit
und Trennschärfe des SW-100. Zum Hören von Rundsprüchen
oder zum Empfang des SSB-Sendungen von Radio HCJB reichts
jedoch allemal. Eine externe Antenne verträgt der SW-100
überraschend gut. Der Anschluß eines 8 Meter langen
Drahtes, der draussen vor dem Fenster gespannt war, an
die Antennenbuchse brachte fast schon dramatische
Verbesserung der Empfindlichkeit ohne daß Großsignaleffekte
festzustellen waren. Die Empfindlichkeit lag so auf dem
Niveau des 2001 D mit Teleskopantenne und Netzbetrieb!
Allerdings wird dann auch die Filternebenresonanz zu
einem grösseren Problem. Ausserdem tauchen beim Betrieb
mit Außenantenne eine ganze Reihe starker Stationen als
Spiegelfrequenz 910 kHz unterhalb ihrer Sendefrequenz
noch einmal auf. Davon ist besonders der obere Teil des
60-m Tropenbandes betroffen, wo schwache Sender durch
Spiegelfrequenzen des 49-m Bandes zugedeckt werden. Bei
Empfang mit der Teleskopantenne tritt dieses Problem,
wohl wegen der geringen Empfindlichkeit, nur selten auf.
Nach soviel Kritik noch ein Lob zum Schluss: Das UKW-Teil
wurde gegenüber dem SW I deutlich verbessert. Der SW 100
ist wesentlich grossignalfester als sein Vorgänger. Bei
schwachen rauschenden Sendern kann endlich auch von Hand
auf Mono geschaltet werden. Eine externe Antenne, die
sich auch für diesen Wellenbereich anschließen läßt,
verbessert das Signal noch deutlich. Die Trennschärfe
reicht zum Empfang der stärkeren Sender aus. Allerdings
ist auch das UKW-Teil nicht frei von Spiegelfrequenzen:
im Bereich unter 88 MHz sind mehrere WDR- und SWF-Sender
zu hören, die da nichts zu suchen haben.
Fazit
Der Sony SW-100 ist ein kleiner,
hemdtaschentauglicher Empfänger mit durchgehendem
Frequenzbereich und SSB-Emplang. Das Bedienungskonzept
ist gut durchdacht und gibt kaum Anlaß zur Kritik. Die
Empfangsleistung kann aber nur als mäßig bezeichnet
werden. Empfahlen kann man diesen Empfänger demjenigen,
der ein so kleines Radio braucht, weil er es z.B. ständig
dabei haben möchte. Ist die Größe des Empfängers
nicht so wichtig, dann ist der ICF-SW7600 von Sony eher
zu empfehlen. In den Punkten Empfindlichkeit, Trennschärfe
und SSB-Empfang ist er zwar nicht besser als der SW-100,
dafür hat er aber keine Probleme mit Spiegelfrequenzen
oder Filter-Nebenresonanzen, die NF-Qualität über
Lautsprecher ist viel besser und er kostet noch etwas
weniger als der SW-100.