Yaesu Musen Company Ltd., Tokyo

FRG - 100: Testbericht © kurier 5 / 1993

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Yaesu
 
FRG - 7
FRG - 7000
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FRG - 100
 
receiver list
receiver manuals

überarbeitet am 2.11.2010

Kurzbeschreibung und erste Eindrücke

Double conversion superhet, I.F. 47,21 MHz, 455 kHz

Digital display, 10 Hz

AM, USB/LSB, CW, FM-n

Selectivity -6 dB/ -50 dB
A-Version: 2,7/4,5 kHz, 8/15 kHz, 10/18 kHz, 15/30 kHz FM
B-Version: 2,4/4,5 kHz, 4 kHz, 6 kHz, 15/30 kHz FM

Sensitivity
AM <1 uV, SSB< 0,25 uV, FM <0,5 uV

Attenuator two steps, two speed AGC, IF shift, noise blanker

50 memories, (Yaesu) CAT computer interface

Yaesu’s Popularität auf dem Kurzwellenempfängermarkt ist in den vergangenen Jahren gestiegen und gefallen. Ende der 70er Jahre war der FRG-7 eines der berühmtesten Einsteiger-Geräte. Yaesu stellte die Produktion erst ein, als man der Ansicht war, daß der Empfänger inzwischen ein unzeitgemässes Outfit habe. Der Nachfolger FRG-7000 wurde schnell durch den FRG-7700 ersetzt. Beide sind mittlerweile veraltet. Der FRG-8800 kam 1985 auf den Markt und hatte einen guten Start, da es das erste Gerät war, das grösstenteils mikroprozessorgesteuert war, wodurch allerdings statische Entladungen von der Antenne oder auch der Betrieb des Gerätes in sehr lufttrockener Umgebung die Empfangsleistungen stark schwächen. Abhilfe schaffte nur ein Aus- und Wiedereinschalten des Receivers.
Der FRG-8800 ist nun nicht mehr lieferbar und und FRG-100 kommt neu auf den Markt. In Japan ist das Gerät schon seit August 1992 zu haben, in Nordamerika und Europa musste man noch bis März 1993 warten. Der FRG-100 ist preiswerter und zum Teil auch besser gelungen als sein Vorgänger.
Der FRG-100 zeigt sich als kompakter, fast zierlicher Empfänger zu einem günstigen Preis. Er lässt sich sowohl für mobilen, als auch stationären Einsatz nutzen. Die Maße sind 238 x 93 x 243 mm, das Gewicht beträgt 3 Kilogramm. Yaesu war in der Lage, das Gerät derart kompakt anzubieten, da kein Trafo eingebaut wurde. Stattdessen befindet sich im Lieferumfang ein Netzteil. Alternativ kann man den Empfänger über eine Autobatterie speisen. Der FRG-100 hat bei einer angenehmen Lautstärkeeinstellung einen Verbrauch von ca. 1,1 Amperestunden. Der Empfangsbereich liegt zwischen 50 und 30.000 kHz durchgehend. Das Gerät kann Signale in AM, LSB, USB und CW empfangen. Eine Zusatzoption für Schmalband-FM ist erhältlich. Auf den ersten Blick ist die Gehäusevorderseite einfach überschaubar. Der Drehknopf zur manuellen Frequenzsuche dominiert die rechte Seite der Front. Eine analoge Signalstärkeanzeige und ein Flüssigquarz-Display, das Frequenz, Empfangsart, Memory-Hinweise und die Uhrzeit darstellt, liegt im oberen Bereich. Zwei Reihen von MODE- und SELECT-Knöpfen sind in der Mitte plaziert. Zu beachten ist hier, daß das Drücken einiger Knöpfe vor dem Einschalten des Empfängers zu Systemkonfigurationsveränderungen führen kann. Einige so mögliche Einstellmöglichkeiten sind wohl eher kosmetischer Art, andere jedoch recht nützlich. Auf diese Art läßt sich z.B. die Uhrzeit von 12-h auf 24-h-Anzeige umstellen, es lassen sich Abstimmschritte verändern oder bestimmte Filter als Standard den verschiedenen Empfangsmodi zuweisen. Eine Feinabstimmung des ersten Schwingkreises ist auch möglich. Dies ist nützlich, wenn man die Eichung des Empfängers z.B. anhand von WWV auf 15 MHz überprüfen will.

Frequenzeingabe
Der FRG-100 bietet eine Kombination von UP- und DOWN-Tasten sowie den Drehknopf zur Frequenzabstimmung. Er verfügt über keine Tastatur zur direkten Frequenzeingabe, es besteht jedoch eine Anschlußmöglichkeit für Frequenzfernbedienung via Computer auf der Geräterückseite. Es ist verwunderlich, daß Yaesu keine Anschlußmöglichkeit für eine kleine externe Tastatur anbietet, wie sie z.B. für den Lowe erhältlich ist.
Eine Frequenzabstimmung über UP- und DOWN-Tasten ist natürlich nicht so schnell und komfortabel wie über eine Tastatur. Das ist besonders auffällig, wenn man z.B. auf 5955 kHz eine unbekannte Station hört und vergleichen möchte, ob es sich dabei um das gleiche Programm handelt, wie auf 21455 kHz.
Das Gerät verfügt über keinen Synchrondetektor, ist aber bemerkenswert frequenzstabil. Das Abhören von AM-Stationen in den Betriebsarten LSB oder USB erlaubt ein gutes Ausblenden von Nachbarkanalstörungen. Die Tatsache, daß sich der FRG 100 in 10-Hz-Schritten abstimmen läßt (im SSB-Mode) bedeutet, daß Musikprogramme in SSB gehört werden können, wenn der Sender sauber eingestellt wurde.

Speicherplätze
Der FRG kann bis zu 50 Stationen mit Frequenz und Empfangsart speichern. Die Speicher sind leicht zu programmieren und es gibt zusätzlich die Möglichkeit, gestörte gespeicherte Frequenzen neu zu sortieren. Der Inhalt der Speicherplätze kann über einen Knopf abgerufen werden. Ausserdem sind die Speicherfrequenzen als Ausgangspunkt für eine weitergehende Abstimmung nutzbar. Ein Memory-Scannen ist ebenfalls möglich. Eine Unterteilung der Speicherplätze in Fünfergruppen ist ebenfalls möglich, wodurch auch nur Teile der Memory gescannt werden können.
Yaesu ist bemüht, dem Benutzer alle Möglichkeiten des FRG-100 in einem detaillierten Handbuch näherzubringen. Es wird davon ausgegangen, daß man mit dem Manual in der Hand vor dem Empfänger sitzt und sich an die Features gewöhnt. Einige Einzelheiten erscheinen anfänglich verwirrend und man wäre besser beraten gewesen, zusätzlich eine Kurzanleitung für diejenigen anzubieten, die das Gerät auspacken und mit ihm erst einmal nur kurz reinhören wollen.
Der Empfänger hat zwei eingebaute Uhren, sodaß eine für die Ortszeit und eine für UTC-Weltzeit genutzt werden kann. Eine Timer-Funktion, die das Gerät zur gewünschten Zeit ein- und ausschaltet, ist vorhanden. Die Timer-Funktion ist aber nicht so ausgetüftelt wie die des Sony SW-77, die das Gerät nicht nur anschaltet, sondern auch direkt auf eine bestimmte Speicherfrequenz springt.

Empfindlichkeit
Die Meßergebnisse von "Media-Network" bei Radio Nederland zeigten, daß die Empfindlichkeit im unteren Bereich recht gering ist. Auf Mittelwelle wurde sie gar bewußt reduziert, um zu verhindern, daß starke lokale Mittelwellenstationen den empfindlichen Eingangskreis überladen. Die Werte bei Kurzwelle zeigten dann aber, daß der FRG-1OO extrem empfindlich ist, vielleicht etwas zu empfindlich im Bereich zwischen 1,8 und 17 MHz. Natürlich kann die hohe Empfindlichkeit nicht gleichgesetzt werden mit der Sicherheit, mehr Stationen zu empfangen. Da der Eingangskreis so empfindlich ist, daß Probleme der Intermodulation auftreten, wird man unausweichlich den Signalabschwächer nutzen und die Lautstärke höher drehen müssen. Der FRG-100 hat hierzu einen dreistufigen Abschwächer. Die besten Ergebnisse wird man oft erzielen, wenn der Empfänger abgeschwächt arbeitet. Folgende Tabelle zeigt die Empfindlichkeit für 10 dB s+n/n, gemessen bei 60 % Modulation:

MHz AM wide AM narr. SSB/ CW wide CW narr
0,131 2,58 2,30 0,51 0,44
0,200 1,28 1,20 0,23 0,18
0,300 1,00 0,80 0,20 0,17
0,490 0,73 0,65 0,16 0,06
0,5-1,8 2,75 2,60 - - - -
1,8-17 0,73 0,65 0,17 0,10
17-30 0,52 0,50 0,17 0,10

Ein Signal ist jedoch nur wirklich verständlich, wenn der Rauschabstand 20 dB beträgt. Folgende Ergebnisse lieferte die Messung eines zu 60% modulierten Signals auf 10,1 MHz:

Filter Signal dBm
AM wide 3,23 - 96,8
AM narrow 3,05 - 97,3
SSB/CW wide 0,68 - 110,4

Automatic Gain Control
Die Automatic Gain Control funktioniert ausgezeichnet. Leider läßt sie sich aber nicht abschalten. Vor allem beim Abhören von SSB-Signalen wäre es oft angenehmer, die AGC auszustellen und Verzerrungen manuell mit der RF-Gain auszublenden. Der FRG-100 ist so ausgelegt, daß sämtliche eingehenden Signale per AGC auf ein gleiches Audio-Level geregelt werden.

S-Meter
Das S-Meter des FRG-100 ist nicht besonders gut ausgelegt. Bei unter 1 uV zeigt es zu wenig an. Bei 1,6 uV zeigt es exakt eine S-Stufe zuviel an. Der angezeigte Bereich ist aber recht brauchbar für ein Gerät in dieser Preisklasse.

Squelch
Die Squelch-Funktion ist nützlich, wenn man darauf wartet, daß ein Signal auftaucht und das Hintergrundrauschen zwischenzeitlich unterdrücken möchte. Bei Scannern gehört ein Squelch zur Grundausstattung, jedoch häuflg nicht bei Kurzwellenempfängern. Der Squelch des FRG-100 enttäuschte, da der Regelbereich viel zu eng ist. Dadurch ist kein effektiver Einsatz möglich.

Audio-Qualität
Der FRG-100 hat keine Klangblende. In einigen Fällen können die Bässe den angeschlossenen Kopfhörer überfordern. Der eingebaute Lautsprecher konnte überzeugen. Ein extern angeschlossener Lautsprecher bringt sogar noch besseren Klang.

Der NF-Verstärker liefert maximal 1,8 Watt Leistung mit 10% Verzerrung. Bei normaler Lautstärke betrug die Verzerrung rund 5% in AM. Dies ist ein vertretbarer Wert, wenn auch die Verzerrung beim SSBoder CW-Betricb nur rund 0,3% beträgt. Dies bedeutet, daß die Verzerrung bei AM wohl eher vom Empfängerteil stammen, als vom NF-Verstärker. Dies ist jedoch von einem Empfänger dieser Preisklasse zu erwarten. Alles in Allem kann die Audio-Qualität des FRG-100 als brauchbar bis gut eingestuft werden. Die Verständlichkeit wird durch die gemessenen Verzerrungen nicht beeinträchtigt.

Dynamik
Häufig veröffentlichen Hersteller ihre technischen Meßwerte der Filter, bevor diese in den Empfänger eingebaut wurden. Es ist jedoch möglich, daß in den heutigen kompakten Empfängern Signale an den Filtern "vorbeischleichen" und so die Dynamik reduzieren. Es gibt deshalb eine international anerkannte Meßmethode für den Dynamikbereich, die von den europäischen Zulassungsstellen auch für die Genehmigung von Marineempfängern angewandt wird, die sogenannte CEPT-Methode.

Die Vorgehensweise ist einfach. Der FRG-100 wird auf ein schwaches Signal abgestimmt. Ein zweites moduliertes Signal wird an den Empfängereingang gelegt und auf verschiedene, der auf dem Empfänger eingestellten Frequenz naheliegenden Frequenzen abgestimmt. So stellt man fest, wie stark die dadurch entstehenden Störungen sind. Die im FRG-100 eingebauten Filter unterdrücken rund 50 dB. Teuere Empfänger erzielen eine Unterdrückung von bis zu 60 - 70 dB. Für einen Empfänger dieser Preisklasse ist ein Wert von 50 dB jedoch sehr gut.

Abschwächer
Auf der überfüllten europäischen Radioskala ist ein Abschwächer kein Luxus. Der Abschwächer des FRG-100 kann auf 6, 12 und 18 dB eingestellt werden. Für 1,8 bis 17 MHz wird eine Abschwächung von 18 dB empfohlen, oberhalb von 17 MHz reichen 12 dB. 6 dB kommen auf der MW zum Einsatz, weil dort die Empfindlichkeit sehr gering ist.

Fazit
Yaesu wollte einen besseren Empfänger als den FRG-8800 entwickeln, der nur rund 2/3 soviel wie dieser kosten sollte. Dies ist gelungen. Der FRG-100 ist vom Empfang her besser als der Lowe HF-150 und bietet mehr Details, kostet aber auch mehr. Er erreicht nicht den Empfangsstandard des Kenwood R-5000, ist aber dafür mit einem empfohlenen Verkaufspreis von DM 1299.- deutlich billiger.

Das Gerät wird über den Technischen Klubdienst für DM 1259.- vertrieben und ist laut schriftlicher Herstellerangabe ab Anfang März lieferbar. Ferner stellen wir Überlegungen an, die AGC regelbar und abschaltbar zu machen. Außerdem wird eine Filtermodifikation mit keramischen Filtern unumgänglich sein. Charly Hardt

Mit freundlicher Genehmigung © Jonathan Marks, RNMN Übersetzung & Bearbeitung: Uwe Bräutigam
© kurier 5 / 1993